Scheidenpilz - 5 Therapie-Mythen und was wirklich hilft

Wussten Sie, dass Experimente mit Hausmitteln bei Scheidenpilz nicht helfen und diesen sogar verschlimmern können?  Überlieferte Ratschläge aus alten Zeiten kursieren noch immer im Netz - dabei sind sie längst widerlegt. 

Mythos 1: Die Anti-Pilz-Diät

Der Scheidenpilz kann angeblich durch zuckerarme Kost ‚ausgehungert‘ werden.

FAKT: Tatsächlich ernähren sich Hefepilze wie der Scheidenpilzerreger Candida albicans von Zucker.  Die Annahme, dass zuckerfreie und kohlehydratarme Ernährung eine akute Scheidenpilzinfektion eindämmen oder gar heilen kann, ist allerdings nicht belegt. Außerdem spricht ein weiteres Argument gegen eine Anti-Pilz-Diät: Der Darm und/oder die Scheide sind bei Frauen auch ohne Scheidenpilz mit den auslösenden Hefepilzen besiedelt, ohne dass diese die Krankheit auslösen.

Mythos 2:  Der Joghurt-Tampon

Ein in Joghurt getränkter Tampon soll gegen Scheidenpilz helfen. Da eine gesunde Scheidenflora Milchsäurebakterien enthält, regenerieren die in Joghurt enthaltenen Milchsäurebakterien die angeschlagene Scheidenflora und verdrängen den Scheidenpilz – so der Irrglaube.

FAKT: Die im Joghurt enthaltenen Milchsäurebakterien unterscheiden sich von den Bakterien in der Scheidenflora. Außerdem tummeln sich im Joghurt neben Milchsäurebakterien auch jede Menge andere Bakterienkulturen, die nicht in die natürliche Scheidenflora gehören. Ganz zu schweigen von chemischen Zusätzen, Konservierungsstoffen und Zucker, die ebenfalls im Naturjoghurt enthalten sein können. Die Behandlung mit Joghurt-Tampons kann deshalb zu Reizungen der Scheidenschleimhaut, Entzündungen und Verschlimmerung der Pilzerkrankung führen.

Mythos 3: Scheidenspülungen mit Wasser oder Essig

Angeblich können Scheidenspülungen den Pilz ausspülen. Durch die Zugabe von Essig soll das Scheidenmilieu in einen sauren Zustand versetzt werden.

FAKT: Grundsätzlich sind Scheidenspülungen unwirksam, da die Pilzerreger fest mit den oberen Hautzellen verbunden sind. Die Heilung der Infektion wird durch eine Spülung mit Essig nicht beschleunigt, sondern erschwert. Denn die hochsensible Scheidenflora kann durch die aggressive Essigsubstanz noch stärker aus dem Gleichgewicht geraten.

Mythos 4: Knoblauch und Teebaumöl

Zusammen mit einem Joghurt-Tampon in die Scheide eingeführt, soll Knoblauch desinfizierend und keimabtötend wirken – so die irrtümliche Annahme. Das gleiche gilt für Teebaumöl, das stark verdünnt als Spülung angewandt werden soll.

FAKT: Knoblauch und ätherische Teebaumöl können zwar eine antiseptische Wirkung haben, sind aber viel zu aggressiv für die empfindliche Scheidenflora. Beide Substanzen können die Vaginalschleimhaut austrocknen und dadurch mehr Schaden anrichten, als helfen.

Mythos 5: Das Scheidenschwämmchen

Mit Hilfe eines Scheidenschwämmchens kann Joghurt, verdünntes Teebaumöl oder Knoblauch in die Vagina eingeführt werden und vermeintlich die Infektion lindern.

FAKT: Naturschwämme sind eine ideale Brutstätte für Keime und ein idealer Nährboden für Bakterien. In kurzer Zeit können sich Krankheitserreger festsetzen und beim Einführen in die Vagina zu einer Verschlimmerung des Pilzes führen.

WAS HILFT WIRKLICH?

Bei Scheidenpilz sind Experimente mit Hausmitteln keine geeignete Behandlungsmethode. Frauen mit Beschwerden sollten ausschließlich moderne und gut verträgliche Anti-Pilz-Mittel anwenden und bei Zweifeln medizinischen Rat einholen. So können die Beschwerden schnell gelindert und der Pilz effektiv beseitigt werden. Die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen, langwierigen Verläufen und Komplikationen wird deutlich verringert.

Grundsätzlich gilt: Abwehrkräfte stärken! Zum Beispiel durch die Verbesserung der Darmflora. Denn ein starkes Immunsystem schützt vor Scheidenpilz.

Diesen Beitrag teilen

WhatsApp E-Mail

Um Ihr Besuchserlebnis auf unserer Seite zu optimieren, können Sie hier in den Einsatz von Werkzeugen zur Optimierung und Analyse Ihres Website-Besuchs einwilligen. Details dazu finden Sie in der Datenschutzerklärung