Wirkstoff Progesteron

Wegen seiner vielfältigen positiven, physiologischen Wirkungen wird natürliches Progesteron als Wirkstoff in Arzneimitteln in der Frauenheilkunde verwendet.

Weiterführende Informationen

Pflanzliche Basis für den Wirkstoff natürliches Progesteron

Natürliches Progesteron wird aus dem Pflanzenstoff Diosgenin hergestellt, der in Yamswurzelgewächsen enthalten ist. Eine andere Quelle für Progesteron ist Stigmasterin aus Sojabohnen. Progesteron in Arzneimitteln entspricht genau dem natürlich vorkommenden Gelbkörperhormon (Progesteron) und wird somit als bio-, natur- oder humanidentisch bezeichnet.

Wilder Yams bildet die pflanzliche Basis

Mikronisiertes Progesteron

Zunächst wurde Progesteron in den Körper injiziert, da es nach oraler Anwendung schlecht resorbiert wurde. Erst durch eine Mikronisierung der Substanzpartikel wurde die Resorption von natürlichem Progesteron erheblich verbessert, so dass es oral angewendet werden konnte. Eine Alternative zur oralen ist die vaginale Anwendung.

Strukturformel Progesteron

Natürliches Progesteron in der Hormontherapie

Weichkapseln mit mikronisiertem natürlichem Progesteron kommen im Rahmen einer Hormontherapie in den Wechseljahren zur Anwendung. Progesteron schützt die Gebärmutterschleimhaut vor durch Östrogene hervorgerufenen Wucherungen. Auch sind Studiendaten von Interesse, nach denen natürliches Progesteron in Verbindung mit Estrogen das Brustkrebsrisiko einer Hormontherapie in den Wechseljahren, im Gegensatz zur Kombination von synthetischen Gestagenen mit Östrogen, bei Anwendung über bis zu 5 Jahre nicht erhöht (6,7).

Natürliches Progesteron bei Zyklusunregelmäßigkeiten

Bei Zyklusstörungen stehen oft hormonelle Störungen als Ursachen im Vordergrund. Die häufigste Störung ist die Anovulation, die insbesondere in den hormonellen Übergansphasen der Frau – der Menarche und gegen Ende der fruchtbaren Phase – gehäuft auftritt. Bleibt die Ovulation aus, bildet sich kein Gelbkörper und die Progesteronproduktion in der zweiten Zyklushälfte bleibt aus. Die Folge sind Zyklusstörungen und – je nach Ausprägung – Sterilität. Um die Fruchtbarkeit zu erhöhen, muss die Follikelreifung unterstützt werden. Die Zyklusstörungen können hingegen mit einem zyklisch verabreichten Gestagen, z.B. mit natürlichem Progesteron, behandelt werden.
Auch Schmierblutungen vor der Menstruation können durch einen Mangel an Progesteron, einer sogenannten Lutealinsuffizienz, hervorgerufen werden. Diese sogenannten prämenstruellen Spottings sind nicht behandlungsbedürftig. Wenn sie jedoch als störend empfunden werden, kann eine Progesterongabe sinnvoll sein.

Natürliches Progesteron in der Kinderwunschbehandlung

Um fetale Risiken zu vermeiden, sollte nur natürliches Progesteron oder dessen Stereoisomer im Rahmen der Infertilitätsbehandlung oder assistierten Reproduktion eingesetzt werden. Synthetische Gestagene werden hier als obsolet angesehen. Natürliches Progesteron ist auch bei drohendem Frühabort und habitueller Abortneigung eine Behandlungsoption, wobei natürliches Progesteron (z.B. in der Weichkapsel) hier bevorzugt vaginal verabreicht wird.

Bis jetzt gibt es in Deutschland für die Progesteron-Weichkapseln keine Zulassung für die vaginale Anwendung bei assistierter Reproduktion. Entsprechend fehlen die Hinweise auf diese Verwendung in der Gebrauchsinformation. Die Patientinnen sollten vom behandelnden Arzt darauf hingewiesen werden.

Studie

Für die Unterstützung der Lutealphase und der frühen Schwangerschaft durch vaginale Anwendung von Progesteron hat sich in einer klinischen Studie bei assistierter Reproduktion die Anwendung von 3 Kapseln Utrogest 200 der Anwendung von Crinone 8% als ebenbürtig erwiesen.

Natürliches Progesteron zur Behandlung von Mastodynie

Ein alkoholisches Gel mit dem Wirkstoff natürliches Progesteron steht zur Behandlung von hormonabhängigen Brustschmerzen zur Verfügung. Das Gel wird auf die Brüste aufgetragen.

Vorteile des körpereigenen Progesterons

Natürliches Progesteron hat diverse Vorteile im Vergleich zu manchen synthetischen Gestagenen.

  • Geringere Proliferation des Brustepithels (12)
  • Kein erhöhtes Brustkrebsrisiko in Verbindung mit transdermalem Estradiol (bei Anwendung über bis zu fünf Jahren) (6,7)
  • Schlafverbessernde Wirkung (13,14)
  • Kein Einfluss auf den Glukosestoffwechsel (8)
  • Keine Beeinflussung des Fettstoffwechsels (8)
  • Kein Einfluss auf das Gerinnungssystem (8,10,15,16)
  • Geeignet zur Lutealphasenunterstützung in der Reproduktionsmedizin (17)

Quellen

(6) Fournier A, et al. Risk of breast cancer after stopping menopausal hormone therapy in the E3N cohort. Breast Cancer Res Treat. 2014; 145:535–543.
(7) Cordina-Duverger E, Truong T, Anger A, et al. Risk of breast cancer by type of menopausal hormone therapy: a case-control study among post-menopausal women in France. PLoS One. 2013; 8(11):e78016.
(8) The Writing Group for the PEPI Trial. Effects of estrogen or estrogen/progestin regimens on heart disease risk factors in postmenopausal women. The Postmenopausal Estrogen/Progestin Interventions (PEPI) Trial. JAMA. 1995 Jan 18; 273(3):199–208.
(10) Canonico M et al. Postmenopausal Hormone Therapy and Risk of Idiopathic Venous Thromboembolism. Results From the E3N Cohort Study. Arterioscler Thromb Vasc Biol 2010; 30:340–345.
(12) Murkes D, Conner P, Leifland K, et al. Effects of percutaneous estradiol-oral progesterone versus oral conjugated equine estrogens-medroxyprogesterone acetate on breast cell proliferation and bcl-2 protein in healthy women. Fertil Steril. 2011 Mar 1; 95(3):1188–91.
(13) Montplaisir J, Lorrain J, Denesle R, Petit D. Sleep in menopause: differential effects of two forms of hormone replacement therapy. Menopause. 2001; 8:10–6.
(14) Gambacciani M, Ciaponi M, Cappagli B, et al. Effects of low-dose, continuous combined hormone replacement therapy on sleep in symptomatic postmenopausal women. Maturitas. 2005; 50:91–7.
(15) Scarabin P-Y, Alhenc-Gelas M, Plu-Bureau G et al. Effects of oral and transdermal estrogen/progesterone regimens on blood coagulation and fibrinolysis in postmenopausal women. Arterioscler Thromb Vasc Biol. 1997; 17:3071–8.
(16) Canonico M, Oger E, Plu-Bureau G, et al. Hormone therapy and venous thromboembolism among postmenopausal women. Impact of the route of estrogen administration and progestogen: The ESTHER Study. Circulation. 2007; 115:840–5.
(17) O'Flynn N. Assessment and treatment for people with fertility problems: NICE guideline. Br J Gen Pract. 2014 Jan; 64(618):50–1.