Lokale Behandlung bei Scheidentrockenheit: Hormone oder Befeuchtung

Meist ist die lokale Behandlung mit Estriol erfolgreich

Trockenheit der Scheide und eine dünne, weniger elastische Scheidenhaut sind meist Folge eines Östrogenmangels. Stellt der Arzt dies fest, hilft eine lokale Therapie mit dem natürlichen Östrogen Estriol in Form von Vaginalcreme oder Vaginalzäpfchen. Zur schnellen Behandlung der akuten Symptome vor dem Arztbesuch oder wenn eine Östrogentherapie kontraindiziert ist bzw. abgelehnt wird, kann ein Befeuchtungsgel angewendet werden.

  • Diagnose durch den Arzt
  • Lokale Behandlung: Creme oder Vaginalzäpfchen
  • Alternativ: Befeuchtungsgel

Zunächst muss der Arzt die Diagnose Hormonmangel stellen

Oft sind betroffene Frauen erleichtert, wenn der Frauenarzt sie auf Probleme der trockenen Scheide, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder häufige Vaginal- und Harnwegsinfekte anspricht. Doch sollten Frauen auch von sich aus in keinem Fall zögern, den Frauenarzt über alle Beschwerden im Vaginalbereich zu informieren. Er wird die genaue Ursache feststellen, z. B. ob es sich um eine Scheideninfektion und/oder einen Hormonmangel handelt, und kann dann eine wirksame Therapie einleiten. Bis dahin hilft die Zufuhr von Feuchtigkeit durch die Anwendung eines Befeuchtungsgels.

Lokale Behandlung mit östrogenhaltiger Creme oder Vaginalzäpfchen

Liegt den Beschwerden der trockenen Scheide oder dünnen Scheidenhaut ein örtlich zu geringer Östrogenspiegel zu Grunde, so bietet sich eine Therapie mit dem körpereigenen natürlichen Östrogen Estriol an. In Form von Scheidenzäpfchen oder einer Creme (Vaginalcreme) kann der Wirkstoff direkt dort angewendet werden, wo die Mangelerscheinungen auftreten - im Urogenitalbereich. Die lokale Anwendung von Östrogen bietet sich insbesondere an, wenn nur lokale Beschwerden auftreten.

Lokale Hormontherapie in den Wechseljahren

Die lokale Behandlung des Hormonmangels kann jedoch auch bei Frauen erforderlich sein, die aufgrund anderer Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Schlaflosigkeit bereits eine Hormontherapie erhalten. Die heute empfohlenen niedrigen Dosierungen der systemischen Hormontherapie reichen zum Teil nicht aus, das Östrogendefizit im Vaginalbereich auszugleichen.
Durch das lokal zugeführte Östrogen wird die Durchblutung der Scheidenwand angeregt und die Regeneration des Scheidenepithels (Scheidenhaut) unterstützt. Aufgrund der besseren Befeuchtung wird die Gleitfähigkeit der Scheidenhaut wieder hergestellt. Sie wird elastischer und unempfindlicher. Die Beschwerden werden deutlich gelindert. Insbesondere Präparate mit dem gut wirksamen Östrogen Estriol in Form von Vaginalcreme, Vaginalzäpfchen oder -Ovula (Schmelzzäpfchen) haben sich bewährt. Bereits niedrige Tagesdosen des Östrogens Estriol reichen aus, um die urogenitalen Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen.

Scheide mit Gel feucht halten

Östrogenhaltige Präparate sind nicht für alle Frauen gleich geeignet. So sind sie beispielsweise bei Frauen mit oder nach einer Brustkrebserkrankung kontraindiziert oder bei Frauen, die aus nicht-hormonellen Gründen unter Scheidentrockenheit leiden, nicht sinnvoll, da sie hier nicht die Ursache bekämpfen würden. Auch für Frauen, die Hormone vollständig ablehnen, kommen diese Präparate nicht in Frage. All diesen Frauen kann aber mit Befeuchtungsgelen geholfen werden. Befeuchtungsgele führen schnell und hormonfrei der Scheide die nötige Feuchtigkeit zu. Sie sind verschreibungsfrei und können sowohl im Akutfall als auch längerfristig angewendet werden. Auch zu Beginn einer Hormonersatztherapie kann ein Befeuchtungsgel angewendet werden, da bei dieser Therapieform die ggf. vorhandene Scheidentrockenheit nicht sofort nachlässt. Neben Befeuchtungsgelen, die nur Wasser zuführen, stehen auch Präparate zur Verfügung, die den Wirkstoff Hyaluronan (Hyaluronsäure) enthalten, z. B. KadeFungin Befeuchtungsgel. Hyaluronsäure ist ein natürlicher Feuchtigkeitsspender, der im menschlichen Körper wichtige Funktionen wie beispielsweise die Kontrolle des Wassergehalts im Gewebe übernimmt oder als Schmiermittel für die reibungslose Bewegung der Gelenke dient.

Scheidenmilieu mit Milchsäurekur behandeln

Östrogenmangel hat einen Einfluss auf das natürlich saure Scheidenmilieu und damit einen negativen Einfluss auf die Vaginalflora. Durch die Anwendung eines Milchsäure-haltigen Gels wird nicht nur der pH-Wert der Scheide wieder in den normalen sauren Bereich verschoben, sondern auch die Vermehrung von körpereigenen Milchsäurebakterien (Döderlein Bakterien oder Laktobazillen) angekurbelt, die selbst in der Lage sind, Milchsäure zu produzieren. Sobald sie wieder in einer ausreichend hohen Anzahl in der Scheide vorhanden sind, steigt der Säuregehalt durch Verstoffwechslung von Glykogen aus abgeschilferten Scheidenepithelzellen ohne weiteren Zusatz der Milchsäure. So regeneriert und stabilisiert sich das natürlich saure Milieu, die Besiedelung mit krankmachenden Keimen wird erschwert und dadurch nicht nur die Scheide vor bakteriellen Infektionen geschützt, sondern auch Harnwege. Da der Östrogenmangel, d. h. die Ursache für die Veränderung des Vaginalmilieus jedoch nicht durch die Gabe der Milchsäurekur beseitigt werden kann, ist es wichtig darauf zu achten, dass sich der pH-Wert nicht wieder verändert. Tritt diese Situation ein, kann erneut Milchsäure zugeführt werden.

Scheidentrockenheit und Mikrorisse sind nicht nur Symptome eines Hormonmangels. Auch Infektionen können Brennen, Jucken und Schmerzen verursachen.

Eine langfristige Therapie des Hormonmangels erfordert Geduld. Kurzfristig können Befeuchtungs- und Milchsäurehaltige Gele die Beschwerden lindern.