Neubeginn einer postmenopausalen Hormontherapie vor und nach Publikation der WHI - Daten aus zwei französischen Kohorten
Hintergrund und Studienziel
Obwohl der Östrogen-Gestagen-Arm der Women’s Health Initiative (WHI), der im Jahr 2002 abgebrochen wurde, den Einsatz kontinuierlicher Kombinationen mit konjugierten Estrogenen und MPA zur Krank¬heitsprävention bei zu Studienbeginn im Durchschnitt 63 Jahre alten Frauen prüfte und der Begleitkommentar „nur“ empfahl, Estrogen-Gestagen-Kombinationen nicht mehr zur Prävention chronischer Krank¬heiten zu nutzen, ging die Anwendung von Präparaten zur Hormontherapie (HT) in einigen Ländern, einschließlich Deutschland und Frankreich, besonders stark bei jüngeren postmenopausalen Frauen unter 60 Jahren zurück, also bei Frauen der Altersgruppe mit einer hohen Prävalenz menopausaler Beschwerden. Die hier besprochene Analyse von Daten aus zwei französischen Kohorten untersuchte, wie stark sich der Anteil früh postmenopausaler Frauen reduzierte, die eine HT neu beginnen, und ob sich Änderungen in der bevorzugten Art der HT ergaben.
Studiendesign
- Aus 2 französischen Langzeitkohorten (E3N und GAZEL) konnten 3.364 Frauen ausgewählt werden, deren Menopause-Eintritt vor der WHI-Erstpublikation 2002 lag und wo Informationen zur HT-Anwendung vorlagen, und 1.880 Frauen, deren Menopause erst nach 2002, nach der WHI-Erstpublikation, eintrat.
- Aus der Zusammensetzung der Kohorten und den verfügbaren Informationen ergaben sich einige Einschränkungen. Beispielsweise waren keine Frauen vertreten, die nach 1950 (E3N) oder 1953 (GAZEL) geboren waren.
- Es wurden altersstandardisierte Häufigkeiten ausgewertet. Prozentuale Häufigkeiten wurden mittels zweiseitigem Chi2-Test verglichen.
Ergebnisse
- Einbezogene Frauen:
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Menopause und HT-Beginn |
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Zuordnung entsprechend WHI-Erstpublikation |
vor WHI |
nach WHI |
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Alter bei Menopausen-Eintritt |
53,6 ± 1,9 Jahre |
54,6 ± 1,7 Jahre |
- Während in dieser Untersuchung im Zeitraum vor der WHI-Erstpublikation 2002 (vor WHI) 56% der Frauen mit Eintritt der Menopause eine HT begannen, waren es im Zeitraum nach der WHI-Publikation (nach WHI) nur noch 17%.
- Der Rückgang der HT-Nutzung durch Frauen bei Menopause-Eintritt betrug 70% (Abb. unten).
- Vor WHI begannen etwa 60% der Frauen eine HT mit transdermalem Estradiol, der Anteil erhöhte sich nach WHI auf 75%.
- Speziell der Anteil der Frauen, die als HT-Beginn die Kombination von transdermalem Estradiol plus Progesteron (E2 td +P) verdoppelte sich von 22% vor WHI auf 44% nach WHI (Abb. unten).
- Hingegen halbierte sich der Anteil der Frauen annähernd (von 30% auf 16%), die transdermales Estradiol kombiniert mit Progesteronderivaten als HT-Erstoption nutzten (E2 td + P-Derivate).
- Die Kombination von transdermalem Estradiol mit Testosteronderivaten (E2 td + T-Derivate) wurde in den französischen Kohorten selten als HT-Erstoption genutzt.
Fazit
Nach der WHI-Erstpublikation kam es auch in Frankreich, speziell den E3N- und GAZEL-Kohorten zu einem beträchtlichen Abfall des Neubeginns einer HT durch früh postmenopausale Frauen.
Der Abfall betraf jedoch insbesondere den Beginn einer oralen HT, so dass sich der Anteil von HT-Formen unter Einschluss von transdermalem Estradiol von 60% vor WHI auf 75% nach WHI erhöhte. Insbesondere transdermales Estradiol kombiniert mit Progesteron als HT-Erstoption hat sich nach Publi¬kation der WHI-Studie von vorher 22% auf 44% verdoppelt und wurde damit zur am häufigsten angewendeten Kombination. Die wachsende Popularität von transdermalem Estradiol plus Progesteron lässt sich durch Ergebnisse französischer Studien (ESTHER, E3N) erklären, die dieser HT-Form Vorteile hinsichtlich des Risikoprofils zuschreiben.
Literatur
Fournier A, Kernaleguen C, Panjo H, Clavel-Chapelon F, Ringa V. Postmenopausal hormone therapy initiation before and after the Women's Health Initiative in two French cohorts. Menopause. 2011 Feb;18(2):219-23.
Link zum Abstract
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