Million Women Study Update
Die Erstauswertung der britischen Millionfrauenstudie (Million Women Study - MWS) hatte ein erhöhtes Brustkrebsrisiko unter einer Hormontherapie (HT), insbesondere bei Anwendung von Estrogen-Gestagen-Kombinationen, bestimmt, welches sich nach Behandlungsende rasch zurückbildete. In einer späteren Analyse wurden erhöhte Risiken für die Entwicklung lobulärer und tubulärer im Vergleich zu duktalen Mammakarzinomen gezeigt. Die aktuelle Analyse bestätigte die Erstergebnisse bei verlängertem Beobachtungszeitraum und entsprechend größerer Fallzahl. Außerdem wurde der Einfluss des Körpergewichtes anhand des Body Mass Index (BMI) sowie die Abhängigkeit der Risikoerhöhung vom Intervall zwischen Menopause und HRT-Beginn untersucht.
Studiendesign
- Prospektive Kohortenstudie
- Schriftliche Befragung (soziodemographische und andere Faktoren, inkl. HT und Menstruationsanamnese/Menopause-Status) und Routine-Mammographien im Rahmen des National Health Service Breast Screening Programme in UK
- Daten von 1.129.025 postmenopausalen Frauen im Alter von 56,6 ± 4,8 Jahren wurden analysiert.
- Mit Cox-Regressionsmodellen wurden stratifizierte und adjustierte relative Risiken (RR) mit 95%-Vertrauensintervallen (95%CI) errechnet.
Ergebnisse
- 394.697 Frauen (35%) waren derzeitige HT-Anwenderinnen; 221.056 Frauen (20%) hatten eine HT in der Vergangenheit und 513.272 Frauen (45%) hatten nie eine HT angewendet.
- In 4,05 Millionen Beobachtungsjahren wurden 15.759 Fälle von Brustkrebs diagnostiziert, 7107 (45%) waren in einem Fragebogen, der durchschnittlich 1,4 Jahre vor dem Diagnosezeitpunkt ausgefüllt wurde, als derzeitige HT-Anwenderinnen erfasst.
- Risiko für Brustkrebs bei aktueller HT: RR 1,68 (95%CI 1,64-1,72).
- Risiko für Brustkrebs bei aktueller HRT in Abhängigkeit vom Regime

- Brustkrebsrisiko bei HT in der Vorgeschichte, derzeitiger HT sowie nach HT-Typ
- Das Risiko für Brustkrebs bei HT in der Vorgeschichte betrug RR 1,08 (95%CI 1,04-1,12); die Risikorückbildung erfolgte in zeitlicher Abhängigkeit vom Behandlungsende

- Rückbildung eines unter HT erhöhten Brustkrebsrisikos nach Behandlungsende
- Sowohl bei alleiniger Estrogentherapie, als auch bei kombinierter Estrogen-Gestagen-Therapie zeigten sich höhere RRs für geringergradige Tumoren, estrogenrezeptorpositiven Brustkrebs sowie Brustkrebsfälle, die außerhalb des Screenings entdeckt wurden.
- Bei kombinierter Estrogen-Gestagen-Therapie war das RR für nodalpositive Brustkrebsdiagnosen (2,00; 95%CI 1,77-2,25) höher als für nodalnegative Fälle (1,66; 95%CI 1,54-1,78).
- Für die bestimmten RR-Erhöhungen hatte es keine Bedeutung, ob die HT im Alter vor 50 Jahren oder danach begonnen wurde. Jedoch wurden sowohl für Estrogen allein wie für Estrogen-Gestagen-Kombinationen höhere RR bestimmt, wenn das Intervall zwischen Menopause und HT-Beginn < 5 Jahre (im Mittel 1 Jahr) war, im Vergleich zu einem späteren Beginn (≥ 5 Jahre, im Mittel 9 - 10 Jahre). Ein in Relation zur Menopause später Beginn kam nur selten vor. Bei späterem Beginn (> 5 Jahre nach Menopause) war eine alleinige Estrogentherapie nicht mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden, selbst bei einer Anwendungsdauer > 5 Jahre. Wenngleich bereits eine Behandlungsdauer < 5 Jahre sowohl für Estrogen allein wie für Estrogen-Gestagen-Kombinationen mit einer signifikanten RR-Erhöhung verbunden war, hatte eine Behandlungsdauer ≥ 5 Jahre einen ausgeprägteren Effekt. Die diesbezüglichen Ergebnisse sind in Abb. 3 zusammengefasst. Tab. 1 gibt die errechneten Brustkrebsinzidenzen wieder.
Errechnete Inzidenzen (95%CI) an Brustkrebs für Frauen zwischen 50 und 59 Jahren in Abhängigkeit vom HT-Typ und dem Intervall zwischen Menopause und HT-Beginn.
|
HT-Beginn |
Nichtanwenderinnen |
Estrogen allein |
Estrogen-Gestagen |
|
keine |
0,30% (0,29%-0,31%) |
||
|
vor oder < 5 Jahre nach Menopause |
0,43% (0,42%-0,45%) |
0,61% (0,59%-0,64%) |
|
|
≥ 5 Jahre nach Menopause |
0,32% (0,27%-0,37%) |
0,46% (0,41%-0,51%) |
- Die Brustkrebsinzidenzen der Nichtanwenderinnen erhöhten sich mit steigendem BMI, während sich bei HT-Anwenderinnen keine Abhängigkeit der Inzidenzen vom BMI zeigte (Abb. 4). Damit ergaben sich niedrigere RR für HT-Anwenderinnen mit einem BMI ≥ 25 im Vergleich zu HT-Anwenderinnen mit einem BMI < 25.

- Brustkrebsinzidenzen pro 100 Frauen (50-59 Jahre) und Jahr für Nichtanwenderinnen von Hormonen, Anwenderinnen allein von Estrogenen sowie Estrogen-Gestagen-Anwenderinnen in Abhängigkeit von BMI-Kategorien
Fazit
Die Autoren zeigen, dass die Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch eine HT heterogen ist. Estrogene sind mit einer geringeren Risikoerhöhung verbunden im Vergleich zu Estrogen-Gestagen-Kombinationen. Ein höheres Brustkrebsrisiko ergab sich bei frühem HT-Beginn (vor oder < 5 Jahre nach der Menopause). Das Brustkrebsrisiko erhöhte sich mit zunehmender HT-Anwendungsdauer. Die HT-bedingte Risikoerhöhung war für übergewichtige Frauen (BMI ≥ 25) geringer im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen (BMI < 25). Nach Behandlungsende bildet sich die HT-bedingte Erhöhung des Brustkrebsrisikos rasch zurück.
Literatur
Beral V, Reeves G, Bull D, Green J; Million Women Study Collaborators. Breast cancer risk in relation to the interval between menopause and starting hormone therapy. J Natl Cancer Inst. 2011 Feb 16;103(4):296-305.
Medline-Abstract
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