HRT und Gesamtmortalität jüngerer postmenopausaler Frauen

Seit Publikation der Women’s Health Initiative (WHI) im Jahr 2002 werden Nutzen und Risiken der Hormonersatztherapie (HRT) kontrovers diskutiert. Offenbar bietet die HRT jedoch insbesondere jüngeren Frauen Vorteile.

Hintergrund und Studienziel

Seit Publikation der Women’s Health Initiative (WHI) im Jahr 2002 werden Nutzen und Risiken der Hormonersatztherapie (HRT) kontrovers diskutiert. Offenbar bietet die HRT jedoch insbesondere jüngeren Frauen Vorteile: So zeigten Metaanalysen, die nach der WHI erschienen sind, dass bei ihnen die Mortalität bzw. die Häufigkeit von koronaren Herzerkrankungen sinken kann. Auch spätere, altersspezifische Analysen der WHI bestätigten eine reduzierte Mortalität bei jüngeren Frauen. US-amerikanische Wissenschaftler führten die bisherigen Daten daher in einer Bayes’schen Metaanalyse zusammen und überprüften, wie die HRT die Gesamtsterblichkeit jüngerer postmenopausaler Frauen beeinflusst.

Studiendesign

  • Metaanalyse, hierarchisch, Bayes‘sches und Random-Effects-Modell (hierarchical random effects Bayesian meta-analysis)
  • Identifizierung von zwischen 1966 und 2008 veröffentlichten Studien in einschlägigen Datenbanken wie MEDLINE oder EMBASE
  • Einschluss von acht prospektiven Beobachtungsstudien mit 212.171 postmenopausalen Frauen, mittlere Studiendauer 13,8 Jahre
  • Einschluss von 19 randomisierten, kontrollierten Studien mit postmenopausalen Frauen im durchschnittlichen Alter von 54,5 Jahren und einem mittleren Beobachtungszeitraum von 5,1 Jahren, darunter 8.689 Frauen in der Verum- und 7.594 Frauen in der Kontrollgruppe (über 83.000 Patientenjahre)
  • Anwendung verschiedener HRT wie konjugierte equine Östrogene oder transdermale Östrogene; alleinige Östrogentherapie oder in Kombination mit einem Gestagen

Fazit

Diesen Ergebnissen zufolge können jüngere postmenopausale Frauen von einer HRT profitieren. Gegenüber ihren gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen ohne HRT scheint bei ihnen die Gesamtmortalität um etwa 25% geringer zu sein. In Beobachtungs- und in randomisierten Studien sinkt die Sterblichkeit offenbar im vergleichbaren Ausmaß. Wie die Autoren betonen, sollten die Ergebnisse allerdings unter Berücksichtigung der potenziellen Risiken und des potenziellen Nutzens der HRT interpretiert werden. Basierend auf der bisherigen Evidenz vermuten sie, dass die HRT bei jungen postmenopausalen Frauen zwar das Risiko für Brustkrebs und Lungenembolien erhöht, jedoch zugleich das Risiko für kardiovaskuläre Vorfälle, Kolonkarzinom und Hüftfrakturen senkt. Die Arbeitsgruppe geht davon aus, die genannten Risikoreduktionen einen größeren Einfluss auf die Mortalität haben als die Risikoerhöhungen, sodass die Gesamtmortalität sinkt. Zudem ist ihres Erachtens zu berücksichtigen, dass sich – zumindest in den ersten Jahren der Therapie – durch die HRT auch die Lebensqualität der Frauen bessert.

Quelle

Salpeter SR, et al. Bayesian meta-analysis of hormone therapy and mortality in younger postmenopausal women. Am J Med. 2009;122:1016-22

Medline-Abstract

Das Medline-Abstract finden Sie hier.

09.05.2011
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